Die neue deutsche Lust am Bier!

von Thom Glas

Es tut sich etwas in der Bierszene der Republik. Mann könnte sagen endlich! Denn ob helle oder dunkle Biere, Export oder Landbier, alles schmeckt mehr und mehr wie Pils und das Pils wird dabei immer milder. So unterschiedlich die Namen und bunt die Flaschenlabel, so überraschungsarm ist leider der Inhalt geworden: Leicht und süß soll es sein und nicht zu bitter. Das jedenfalls versuchen uns die Lebensmitteldesigner seit Jahren einzureden. Die Folgen der Austauschbarkeit des Angebotes bekommt die Industrie schon seit einigen Jahren zu spüren, denn der Absatz von Bier nimmt stetig ab.

Aber es scheint Licht am Ende des Tunnels, denn mehr und mehr Bierkonsumenten fangen an über den Tellerrand bzw. Flaschenrand zu schauen. Dass es dort etwas zu entdecken gibt, liegt an der neu gewonnenen Experimentierfreude vieler kleinerer Brauereien, die neue ausdrucksstarke Biere brauen und am Portfolio von BraufactuM. Diese Firma mit Sitz in Frankfurt vereint ungewöhnliche selbst gebraute Biere und aus der ganzen Welt importierte zu einem unglaublichen Portfolio. Damit wird dem deutschen Biertrinker das Tor zu einer vollkommen neuen Welt aufgestoßen. Zugegeben – günstig sind sie nicht, die Biere von BraufaktuM, aber das wollen sie auch gar nicht sein. Sie wollen das Besondere sein: Biere, die geschmacklich überraschen und beeindrucken, Biere, für die man sich Zeit nehmen muss, Biere, die man lange in Erinnerung behält. Für mich waren sie eine Art Initialzündung, denn diese Biere haben mir die Lust auf Bier zurückgegeben. Drei davon möchte ich Ihnen nun näher bringen

PROGUSTA, India pale Ale. 6,8% Alk. vol. von BraufactuM gebraut
Edel-gehopftes Bitterbier mit mittlerer Schaumbildung

India Pale Ale entstand im Empire Anfang des 18. Jahrhunderts. Um den langen Seeweg nach Indien zu überstehen, wurde das Bier mit einer hohen Stammwürze eingebraut und zusätzlich mit einer großen Menge an Hopfen versetzt. Teilweise gab man den Hopfen direkt in die Transportfässer. Ein erfrischendes Sommerbier mit einer sehr ausgeprägten, aber angenehmer Bitternote.

Nase: Ingwer, geriebene Orangenschale, Zitronengras, Mango, ganz entfernte Currynoten
Geschmack: ungewöhnlich malzig, rotgebrautes Bier, wirkt leicht alkoholisch, angenehme Bitternoten, Aprikose
Nachklang: feine Bitternoten, mitteltrocken, überraschend anhaltend
9,99 Euro / 750 ml Flasche (zzgl. Pfand) oder 4,99 Euro / 330 ml Flasche (zzgl. Pfand)

 

 

LOCAL NUMBER ONE, bottle refermented Ale. 9% Alk. vol., aus der Brookly Brewery (New York)

Eine Mischung aus dem stark eingebrauten belgischen Tripel mit Rum-Aromen und einem leichten erfrischenden Saison mit starker Schaumbildung

Braumeister Garrett Olivers Kreationen lassen sich keinen starren Kategorien zuordnen. Das traditionelle Verfahren der Flaschengärung, das auch zur Herstellung von Champagner angewandt wird, sorgt für ein schönes Mousseux mit einem tollen Mundgefühl

Nase: grüne Banane, Zitrusfrucht, Ingwer, süß
Geschmack: grüne Banane, Honig, Rum-Aromen, leicht bitter, angenehm herb, frisch geschnittener grüner Apfel, dunkle Beeren
Nachklang: dunkle Beeren, Zitrusfrucht, leichte Ingwer, komplex, aber nicht kompliziert
12,49 Euro / 750 ml Flasche (zzgl. Pfand)

 

 

MARZUS, charaktervolles Märzenbier. 5,5% Alk. vol., von BraufactuM gebraut

Ein Märzen war zu den Zeiten, in denen es noch keinen Eiskeller gab, das zuletzt, nämlich im März eingebraute Bier

Es sollte bis zur neuen Saison, die im Oktober begann, halten. Daher würde es stärker eingebraut und hatte daraus resultierend ausgeprägte Malzaromen. Ein ausgewogenes Bier mit starker Schaumbildung.

Nase: englisches Früchtebrot, Malz
Geschmack: malzig kernig, Schwarzbrot, Karamell, trocken
Nachklang: erst kurz, dann kommen lange Tönevon gerösteten Maroni
8,99 Euro/ 750 ml Flasche (zzgl. Pfand) oder 4,49 Euro / 330 ml Flasche (zzgl. Pfand)

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